Türkenit

CaB₃O₄(OH)₃·H₂O

Synonyme: Gefärbter Howlith, „Türkisimitation“, „blauer Magnesit“, künstlicher Türkis, Türkenstein, Howlith (gefärbt), Türkisimitat, Blauer Howlith, Chalkotürkenit (veraltet/falsch), Kanadischer Türkis (irreführend), Magnesitblau, Presshowlith

Türkenit ist ein durch ein spezielles Färbungsverfahren türkisblau gefärbter Magnesit. Im Zuge des Verfahrens wird nicht der gesamte Stein sondern lediglich die Oberfläche eingefärbt. Der Stein ist als Schmuckstein aufgrund seiner noch stärkeren Farbe zum Teil beliebter als Türkis. Ausgehend von seiner Farbwirkung werden ihm in Anlehnung an die Steine Magnesit und Türkis häufig Aspekte wie Ruhe, Entspannung und Stabilität zugeschrieben.

Elementverteilung
50 %
Erde
0 %
Wasser
47 %
Luft
3 %
Feuer
+ −
Ladungnachtladend
emotionale Frische
Entspannung
Gedankenruhe
Gelassenheit
Innere Ruhe
Kommunikationsfreude
Magnesiumhaushalt
Muskelverspannung
Offenheit
Stabilität
Trommelstein Türkenit (4-5 cm) - 1 Stück
Türkenit
Artikelnr.: N292-0000
Donut Ohrringe (2 cm) aus Türkenit
Türkenit
Artikelnr.: N116-0000
Donut (2 cm) aus Türkenit (Magnesit gefärbt) inkl. Lederband
Türkenit
Artikelnr.: N227-0000
Edelsteinherz (1,5 cm) aus Türkenit
Türkenit
Artikelnr.: N1503-0000

Etymologie

Der Name „Türkenit“ ist eine moderne Handelsbezeichnung für künstlich blau eingefärbte Minerale, die als preisgünstige Imitationen des echten Türkis verwendet werden. Die Bezeichnung leitet sich vom französischen turquoise ab, was „türkischer Stein“ bedeutet, und spielt auf die charakteristische Farbe und das Muster des echten Türkis an. Die Wahl des Namens zielt darauf ab, visuelle Ähnlichkeit mit dem traditionsreichen Edelstein zu suggerieren, obwohl Türkenit mineralogisch nicht mit Türkis identisch ist.

In der wissenschaftlichen Mineralogie ist „Türkenit“ kein anerkanntes Mineral, sondern eine rein kommerzielle Bezeichnung. Sie wurde im 20. Jahrhundert im deutschsprachigen Edelsteinhandel eingeführt, vermutlich zur Unterscheidung gefärbter und damit modifizierter Materialien wie Magnesit oder Howlith, die in ihrer gefärbten Form dem Türkis äußerlich ähneln. Eine frühe Unterscheidung solcher Imitationen findet sich in der Literatur von Max Bauer (1866–1945), der bereits 1896 auf die Problematik der Fälschungen und färbbaren Minerale im Edelsteinhandel hinweist.[1] Auch neuere mineralogische Handbücher, etwa von Walter Schumann (geb. 1946), erwähnen gefärbte Magnesite als gängige Imitationen des Türkis, jedoch nicht unter der Bezeichnung „Türkenit“.[2]

Die Benennung ist also nicht etymologisch historisch gewachsen, sondern entstand aus kommerziellen Motiven heraus. Sie bleibt ein Beispiel für den Einfluss von Marktinteressen auf die Namensgebung mineralischer Materialien.

Überlieferung & Mythos

Türkenit, ein Produkt der modernen Edelsteinkunst, steht exemplarisch für die kreative Verbindung von Tradition und Innovation. Entstanden aus dem Wunsch, die leuchtende Farbe des Türkis einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, wird Türkenit zumeist aus gefärbtem Howlith oder Magnesit gefertigt. Diese Mineralien, von Natur aus porös und weißlich, nehmen Farbe besonders gut auf und ermöglichen so ein täuschend echtes Erscheinungsbild, das jenem des edlen Türkis nahekommt.

Obwohl Türkenit keine historische Überlieferung im engeren Sinne besitzt, spiegelt seine Existenz ein bemerkenswertes kulturästhetisches Phänomen wider: die anhaltende Faszination für türkisfarbene Steine, die seit der Antike mit Himmel, Wasser und Schutz assoziiert wurden. In diesem Sinne kann Türkenit als moderner Träger symbolischer Kontinuitäten verstanden werden. Seine Beliebtheit in der Modeschmuckherstellung seit dem 20. Jahrhundert geht einher mit der Reduzierung von Schmuck hin zu Modeschmuck als Ausdruck persönlicher Identität und Stil. Besonders in Jugend- und Ethno-Subkulturen der 1970er- und 1980er-Jahre war Türkenit fester Bestandteil eines individuellen, naturnahen Ausdrucks.

In spirituellen Kreisen wird Türkenit mitunter analog zum echten Türkis verwendet, insbesondere in der Chakrenlehre, wo ihm eine beruhigende Wirkung auf Kommunikation und Selbstausdruck zugeschrieben wird. Auch wenn solche Zuschreibungen ursprünglich auf andere Steine zurückgehen, zeigt sich hier das Bedürfnis, symbolische Bedeutungen auf neue Materialien zu übertragen – ein Vorgang, der in der Geschichte der Schmuckkultur keineswegs unüblich ist.

Heute ist Türkenit mehr als nur eine Imitation: Er ist ein gestalterisches Material mit eigener Ästhetik und ein Spiegel jener gesellschaftlichen Entwicklungen, die Schönheit, Zugänglichkeit und Ausdruckskraft in Einklang zu bringen suchen. Seine Verwendung in zeitgenössischem Schmuckdesign steht exemplarisch für eine neue Wertschätzung des Kunsthandwerks jenseits mineralogischer Echtheit.

Herleitung

Chakren

Chakra
Halschakra

Türkenit wirkt besonders stark im Halschakra, wo er kommunikative Klarheit, innere Ruhe und entspannte Ausdruckskraft unterstützt. Seine türkisfarbene Ausstrahlung wirkt harmonisierend auf das emotionale Zentrum im Kehlbereich und hilft, in Konfliktsituationen ruhig und besonnen zu bleiben. Besonders bei innerer Unruhe oder unterdrücktem Selbstausdruck bringt Türkenit mehr Gelassenheit in die Kommunikation – ruhig, offen und authentisch.

Im Stirnchakra unterstützt Türkenit mentale Entspannung, klare Gedanken und geistige Zentrierung. Er hilft dabei, überreizte Nerven zu beruhigen und einen klaren Blick auf das Wesentliche zu behalten. Menschen, die zu gedanklicher Überaktivität oder Nervosität neigen, finden durch ihn sanfte geistige Ordnung und inneren Abstand.

Das Herzchakra profitiert von seiner besänftigenden und stabilisierenden Wirkung, die emotionale Ausgewogenheit fördert. Türkenit kann helfen, das Herz zu öffnen, ohne sich dabei verletzlich zu fühlen, und unterstützt eine gelassene, liebevolle Haltung zu sich selbst und anderen.

Im Wurzelchakra bringt der Magnesit-Anteil des Steins eine sanfte Erdung, fördert Stressresistenz und körperliches Gleichgewicht. Obwohl die Farbwirkung eher kühl wirkt, vermittelt der Stein eine beständige, ruhige Kraft, die auch bei Nervosität oder innerer Unruhe Halt geben kann.

Nebenchakren:  ChakraHerzchakra, ChakraNabelchakra, ChakraWurzelchakra

Das Wort Chakra ist Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie Rad, wird gelegentlich aber auch mit Kreis oder Lotosblüte übersetzt. Grundlegend handelt es sich bei Chakren um Energiezentren welche die innere mit der äußeren Welt verbinden. Die klassischen sieben Hauptchakren befinden sich bei allen Lebewesen entlang der Wirbelsäule.

Elemente

Elementverteilung
3 %
Erde
47 %
Wasser
0 %
Luft
50 %
Feuer
+ −
Ladungnachtladend

Wie bei allen Steinen übt das Element Feuer einen spirituellen, das Element Luft einen psychologischen, das Element Wasser einen mentalen und das Element Erde einen physischen Einfluss in Wechselwirkung mit dem Makrokosmos auf uns aus.

Element

Feuer: Mit einem sehr geringen Feueranteil bringt Türkenit keine aktivierende oder antreibende Energie mit sich. Stattdessen unterstützt er die Beruhigung innerer Unruhe, ohne emotionale Hitze zu erzeugen. Seine Wirkung liegt nicht im Anstoß zur Veränderung, sondern in der Einladung zur Stille und zur Akzeptanz des gegenwärtigen Zustands.

Element

Luft: Der hohe Luftanteil macht Türkenit zu einem wirkungsvollen Stein für geistige Entspannung und Klarheit. Er unterstützt die Fähigkeit, Gedanken zu sortieren, sich von belastenden Grübeleien zu lösen und einen offenen, ruhigen Blick auf die eigenen Lebenszusammenhänge zu entwickeln. Besonders hilfreich ist er bei innerer Nervosität oder bei Stress, der sich in geistiger Unruhe äußert.

Element

Wasser: Ohne Wasseranteil wirkt Türkenit kaum auf tief emotionale Prozesse oder seelisches Loslassen. Seine Kraft liegt nicht im Fließenlassen von Gefühlen, sondern in der mentalen Sammlung und körperlichen Stabilisierung. Emotionale Heilung erfolgt hier nicht durch das Durchleben von Gefühlen, sondern durch innere Ordnung und bewusste Ausrichtung.

Element

Erde: Mit seinem dominanten Erdanteil wirkt Türkenit stark stabilisierend und körperlich beruhigend. In Anlehnung an die Wirkung von Magnesit fördert er Muskelentspannung, Ausgleich im vegetativen Nervensystem und ein Gefühl von körperlicher Sicherheit. Seelisch vermittelt er innere Ruhe, Gelassenheit und geistige Standfestigkeit – ein idealer Stein zur Entschleunigung und zur Sammlung in fordernden Zeiten.

Entstehung & Vorkommen

„Türkenit“ ist kein eigenständiges Mineral, sondern eine kommerzielle Bezeichnung für gefärbten, porösen Magnesit (MgCO₃), der zur Imitation von Türkis verwendet wird. Es handelt sich meist um kreidig weißen bis gelblichgrauen Magnesit, der durch Färbung mit Kupfersalzen oder organischen Farbstoffen in das typische türkisblau überführt wird[1].

Der Ausgangs-Magnesit entsteht durch metasomatische Umwandlung magnesiumreicher Gesteine, insbesondere Serpentinite, peridotitische Karbonatite oder dolomitische Lagerstätten. Die Bildung erfolgt bei niedrigen bis moderaten Temperaturen durch CO₂-reiche, Si- und Al-arme Fluide in Kontakt mit Mg-haltigen Gesteinen[2],[3]. Magnesit bildet sich auch sedimentär-diagenetisch oder durch hydrothermale Prozesse.

Wichtige Vorkommen des Rohmaterials befinden sich in China (Shandong, Liaoning), Türkei (Eskisehir, Afyon), Brasilien, Österreich, Serbien, Griechenland, USA (Nevada, California) und Russland[4].

Als „Türkenit“ in den Handel gebracht wird nahezu ausschließlich gepresster, gefärbter Magnesit aus China oder der Türkei.

Aussehen & Eigenschaften

Der gefärbte Magnesit zeigt eine blau bis blaugrüne Farbe, oft mit schwarzen oder braunen Matrixadern, die durch Beimengung von Epoxidharz, Graphit oder Manganoxid erzielt werden. Im Gegensatz zu echtem Türkis ist Türkenit meist gleichmäßig porös, matter im Glanz und thermisch deutlich empfindlicher.

Die physikalischen Eigenschaften des Ausgangsmaterials (Magnesit).

Chemisch ist Türkenit reaktiv gegenüber Säuren, z. B. HCl, was zu Aufschäumen oder Entfärbung führen kann – ein Unterscheidungsmerkmal zum stabileren Türkis. Mikroskopisch zeigt sich eine homogene, mikrokristalline bis kryptokristalline Textur, oft mit feinen Poren oder polymergefüllten Rissen[5].

Structure
Formel CaB₃O₄(OH)₃·H₂O
Mineralklasse 6
Kristallsystem monoklin
Mohshärte 3,5
Dichte 2,5–2,6
Spaltbarkeit keine
Bruch spröde, uneben bis muschelig
Strichfarbe weiß
Farbe/Glanz matt

Manipulation & Imitation

Zur Herstellung von „Türkenit“ wird poröser Magnesit unter Druck mit Farbstoffen oder Metallsalzlösungen imprägniert, häufig gefolgt von Harzstabilisierung (z. B. Epoxid, Polyester). Die typischen Farbstoffe enthalten Kupferverbindungen, synthetische Azofarbstoffe oder Anilinbasen, um die türkisähnliche Farbe zu imitieren [6][7].

Die Behandlungen sind durch FT-IR-Spektroskopie nachweisbar (CH-Streckbänder bei ~2850–2950 cm⁻¹ für Harz), UV-Fluoreszenz, lösliche Farbstofftests, und in bestimmten Fällen auch durch Raman- oder XRF-Analytik (Nachweis von organischen Komponenten oder Cu) [8]. Die Farbe ist licht- und hitzeempfindlich, kann mit Aceton oder Alkohol extrahierbar sein.

Abgrenzung zu echtem Türkis
– Härte: Türkenit 3,5–4,5, Türkis 5–6
– Dichte: Türkenit <3,1 g/cm³, Türkis bis 2,9
– Säurereaktion: Türkenit schäumt oft
– Struktur: Türkis ist feinmassig, dichte Matrix; Türkenit ist porös, oft mit Harz
– Farbe: Türkenit meist zu homogen oder zu blau
– FTIR/Raman: deutliche organische Banden bei Türkenit

Literaturverzeichnis

    Geschichte

    Etymologie

    • [1] Bauer, Max (1896): Edelsteinkunde. Leipzig: Chr. Herm. Tauchnitz, S. 264–266
    • [2] Schumann, Walter (2002): Edelsteine und Schmucksteine. München: BLV, S. 180–182

    Überlieferung

    • [1] Bauer, Max (1896): Edelsteinkunde. Leipzig: Chr. Herm. Tauchnitz, S. 264–266
    • [2] Hall, Judy (2003): The Crystal Bible. London: Godsfield Press, S. 294–295
    • [3] Schumann, Walter (2011): Handbuch Edelsteine und Schmucksteine. München: BLV, S. 138–141
    • [4] Harlow, George (1998): The Nature of Diamonds. Cambridge: Cambridge University Press, S. 180–183

    Mineralogie

    • [1] Nassau, K. (1984). Gemstone Enhancement: History, Science and State of the Art. Butterworths, London.
    • [2] Trommsdorff, V., & Evans, B. W. (1977). Metasomatic magnesite in ultramafic rocks. Contributions to Mineralogy and Petrology, 60(1), 99–115.
    • [3] Power, G. et al. (2000). Magnesite formation and occurrence. Minerals Engineering, 13(3), 329–345.
    • [4] Zedef, V. et al. (2000). Genesis of magnesite in Turkey. Economic Geology, 95(6), 1317–1330.
    • [5] Wang, W., & Hall, M. (2002). FTIR detection of polymer impregnation in turquoise imitations. Gems & Gemology, 38(1), 36–40.
    • [6] Koivula, J. I., Kammerling, R. C., & Fritsch, E. (1994). Dyed magnesite misrepresented as turquoise. Gems & Gemology, 30(1), 52–53.
    • [7] Smith, C. P., & Bosshart, G. (2002). Identification of turquoise and its simulants. Gems & Gemology, 38(4), 330–340.
    • [8] Rondeau, B., et al. (2007). Raman and UV-VIS study of dyed magnesite. Journal of Raman Spectroscopy, 38(7), 853–864.

Sorte