Etymologie
Als Urheber der Bezeichnung Azurit gilt der französische Mineraloge François Beudant, der dem Mineral in seinen Abhandlungen zum Thema „Hydrocarbonate bleu de cuivre, ou Azurite“ in Anlehnung an dessen tiefblaue Farbe Azur den Stein als Azurit bezeichnet.[1] Der Begriff Azur leitet sich selbst wiederum von lazhward, der arabischen Bezeichnung für den Stein Lapislazuli, ab, der als solcher namensgebend für die Farbe wurde.[2] Bei den Griechen war das Mineral als ὰρμένιον und bei den Römern latinisiert als Armenium bzw. Armenischer Stein (lateinisch Lapis armenicus und Lapis armenius) bekannt.[3]
Überlieferung & Mythos
Der Azurit, ein intensiv blauer Kupferkarbonatstein, war in Antike und Mittelalter als bedeutender Farb- und Heilstein bekannt. In antiken Quellen tritt er unter dem griechischen Namen kuanos oder dem lateinischen caeruleum auf und wurde vor allem wegen seiner leuchtend blauen Pigmente geschätzt. Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) beschreibt in seiner Naturalis historia das blaue Farbpulver als „armenischen Stein“, der als Pigment in der Malerei und Kosmetik verwendet wurde. Die Unterscheidung zum ähnlich gefärbten Lapislazuli war in der Praxis nicht immer eindeutig, doch der Azurit wurde primär aus Kupferminen gewonnen, etwa in Zypern oder Spanien.
In der medizinischen Überlieferung wurde Azurit aufgrund seines Kupfergehalts zur Reinigung und Ausleitung verwendet. Dioskurides (um 40–90 n. Chr.) beschreibt in seiner Materia medica ein „blaues Kupfermineral“, das in feiner Pulvermischung zur Behandlung von Hauterkrankungen, insbesondere zur Entfernung von Warzen und übermäßiger Hornhaut, verwendet wurde. Auch bei Augenleiden wurde es eingesetzt, wobei es in verdünnter Form die Entzündung lindern und die Sehkraft stärken sollte.
Im Mittelalter wird Azurit unter verschiedenen Bezeichnungen geführt, etwa als lapis armenius, blauer Kupferstein oder azurium. Albertus Magnus (ca. 1200–1280 n. Chr.) behandelt den Stein in seinem De mineralibus und schreibt ihm eine „eigentümliche Kälte“ zu, die ihn für fiebrige und entzündliche Leiden besonders geeignet mache. Zudem verweist er auf die Verwendung in Augensalben und als Bestandteil von Zahnpulvern zur Reinigung und Stärkung des Zahnfleisches. Thomas von Cantimpré (ca. 1201–ca. 1270 n. Chr.) führt in seinem Liber de natura rerum aus, dass das Pulver des Azurits bei innerer Einnahme mit Wasser oder Wein gegen „melancholische Gedanken“ helfe und den Schlaf fördere. Die beruhigende Wirkung auf das Gemüt wurde durch die intensive Farbe symbolisch verstärkt.
In der christlichen Symbolik steht das tiefe Blau des Azurits für Wahrheit, Erkenntnis und die Himmelskönigin Maria. Der Stein fand Verwendung in der Buchmalerei und liturgischen Kunst, unter anderem als Pigment auf Fresken und Altären. Seine stoffliche wie symbolische Wirkung machte ihn zu einem doppelten Heilmittel: als physisches Therapeutikum und als Medium geistiger Läuterung.
Hildegard von Bingen (1098–1179 n. Chr.) erwähnt den Azurit nicht explizit, doch seine Anwendung in der klösterlichen Medizin ist durch spätere Rezeptarien des 13. und 14. Jahrhunderts belegt. In diesen wurde er unter anderem in Augensalben, Reinigungspulvern und als farbgebender Bestandteil medizinischer Pillen beschrieben, deren Farbe heilende Kraft symbolisieren sollte.