Etymologie
Feripendamus ist eine mittelalterliche Edelsteinbezeichnung, die in diversen Lapidarien des Mittelalters zu finden ist. Aus heutiger Sicht entstand die Bezeichnung durch eine Abschreibungsverfälschung des ursprünglichen Namens Hyaenta (lateinisch Hyacinthus), der dem modernen Hyazinth entspricht. Bezeichnete man im Griechischen mit Ὑάκινθος (Hyákinthos) ursprünglich sehr wahrscheinlich rötlich-orangefarbene Zirkon-Varietäten, verwandelte sich der Name wohl zuerst zu Hyacinthus und wurde dann teils auf Hyaenta verkürzt.[1] Beim weiteren Kopieren in Klöstern zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert wurde das anlautende „Hy-” vermutlich in „Fe-” oder „Ferr-” abgeändert und der Auslaut „-thus/-thos” wahrscheinlich zu „-damus” umgeformt, bis sich der Begriff Feripendamus schließlich etablierte.[2] Dafür, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen solchen Abschreibefehler handelt, spricht auch der Umstand, dass in unterschiedlichen Abschriften derselben mittelalterlichen Texte – so zum Beispiel bei Albertus Magnus (ca. 1200–1280) – neben Feripendamus auch die Bezeichnung Eripendanus immer wieder für denselben Stein anzutreffen ist.[3]
Verstehen wir heute unter Hyacinth einen sehr spezifischen Stein, muss retrospektiv für das Mittelalter festgehalten werden, dass darunter sicher nicht unser heutiger Hyacinth, sondern in Anlehnung an die Farbe und die Wirkung ein in der Farbe und den Eigenschaften der Pflanze Hyacinth ähnlicher Stein verstanden wurde. Geht man davon aus, dass die Wirkung und Eigenschaften nicht von der Pflanze auf den Stein, sondern in Anlehnung an dieselbe beschrieben wurden, so handelt es sich aus heutiger Sicht – vor dem Hintergrund der Beschreibung des Steines, eine allergische Reaktion und verbrennungsähnlichen Schmerz beim Drücken auszulösen – möglicherweise um gelbe bzw. gelbfärbige Schwefelkristalle.[4]
Überlieferung & Mythos
Berücksichtigt man neben der Verwendung als Schmuckstein die im Mittelalter beschriebene Verwendung des Steines gegen Gliedsucht und Gelbsucht, so wurde der Stein mitunter über einen längeren Zeitraum, wie auch die Pflanze Hyacinth, ausgehend von uns heute nicht mehr erhaltenen antiken Berichten und Praxen zum Ausbrennen, Desinfizieren, Beruhigen und Reinigen von Wunden in der mittelalterlichen Medizin eingesetzt. Bedenkt man, dass man die Gelbsucht, rheumatische Erkrankungen, Gicht usf. im Mittelalter durch Herstellung von so genannten Purgantien und Diuretika, also durch abführende und reinigende Arzneimittel, mithin durch gezielte Entleerung des Darmes und gezielte Ausleitung von schädlichen Säften aus dem Körper zu bekämpfen suchte, liegt der Schluss nahe, dass man unter dem Begriff Feripendamus sehr wahrscheinlich gelbe Schwefelkristalle verstand, die man zerrieben zu eben solchen Purgantien verarbeitete, weil Schwefel die Peristaltik des Darmes anregt.