Überlieferung & Mythos
Honigcalcit ist eine honiggelbe bis goldbraune Varietaet des Calcits (Calciumcarbonat); der Name geht ueber das lateinische 'calx' (Kalk) zurueck. Eine eigenstaendige antike Steinueberlieferung besitzt der Stein nicht - im neueren Brauchtum wird er wegen seiner warmen, sonnigen Farbe traditionell als Stein der Lebensfreude und Waerme gedeutet.
Entstehung & Vorkommen
Honigcalcit ist eine honiggelbe bis goldbraune, oft durchscheinende Varietaet des Kalzits (CaCO3). Die warme Farbe geht auf feinverteilte Eisenverbindungen und organische oder mineralische Einschluesse zurueck; die uebrigen Eigenschaften - trigonale Symmetrie, rhomboedrische Spaltbarkeit, Mohshaerte um 3 - entsprechen denen des gewoehnlichen Kalzits.
Wie aller Kalzit bildet sich Honigcalcit aus kalziumkarbonatreichen Loesungen. Gelblich-braune Varietaeten entstehen typischerweise in hydrothermalen Gaengen und Hohlraeumen sedimentaerer Gesteine sowie als Sinter- und Travertinbildung, wo eisenhaltige Waesser den Farbton verursachen. Die Faerbung ist damit ein Ergebnis der Begleitchemie des Bildungswassers, nicht einer eigenen Mineralart.
Material in Schmuckqualitaet wird unter anderem aus mexikanischen und nordafrikanischen Karbonatvorkommen gewonnen, wo grosse, klare Kristalle und derbe Massen auftreten.
Aussehen & Eigenschaften
Honigcalcit ist eine honiggelb bis goldbraun gefaerbte Varietaet des Calciumcarbonats (CaCO3) und damit mineralogisch mit gewoehnlichem Kalzit identisch; er kristallisiert trigonal. Die warme Honigfarbe geht auf feinverteilte Eisenverbindungen und Spuren weiterer Uebergangsmetalle sowie auf Einschluesse zurueck, die das durchscheinende Material gelblich-braun toenen. Wie alle Calcite tritt er in rhomboedrischen bis skalenoedrischen Formen oder als koernig-derbe Aggregate auf.
Die physikalischen Kennwerte entsprechen denen des Kalzits: Mohshaerte 3, Dichte etwa 2,71 g/cm3, weisser Strich und Glasglanz auf den Flaechen. Die Spaltbarkeit ist vollkommen rhomboedrisch nach drei Richtungen. Optisch ist das Material einachsig negativ mit der fuer Calcit typischen hohen Doppelbrechung; bei klaren Stuecken kann der Doppelbrechungseffekt sichtbar werden. Das honigfarbene Erscheinungsbild ist meist durchscheinend, seltener klar durchsichtig.
Zur Bestimmung dient - wie bei allen Calciten - das kraeftige Aufbrausen mit verduennter Salzsaeure. Haeufig zeigt Honigcalcit eine Fluoreszenz unter UV-Licht. Im Raman-Spektrum belegt die intensive Carbonatbande bei rund 1086 cm-1 die Zugehoerigkeit zur trigonalen Calcit-Modifikation; die Eisenfaerbung laesst sich ueber Absorptionsmerkmale im sichtbaren Bereich nachvollziehen.
| Formel |
CaCO3 |
| Mineralklasse |
5 |
| Kristallsystem |
trigonal |
| Mohshärte |
3 |
| Dichte |
2.71 |
| Spaltbarkeit |
vollkommen |
| Bruch |
|
| Strichfarbe |
weiß |
| Farbe/Glanz |
Glasglanz |
Manipulation & Imitation
Honigcalcit ist eine honiggelbe bis goldbraune Varietaet des Kalzits (CaCO3) und wird, wie Kalzit allgemein, im Edelsteinhandel nur selten gezielt behandelt. Die Faerbung ist meist natuerlichen Ursprungs (Spuren von Eisen bzw. organische Beimengungen). Gelegentlich wird die Farbe durch oberflaechliches Faerben oder Beschichten vertieft, und wegen der geringen Haerte (Mohs 3) wird Trommel- und Schmuckware haeufig mit Kunstharz stabilisiert oder versiegelt[1]. Eine Brenn- oder Bestrahlungsbehandlung zur Farbveraenderung ist beim Honigcalcit nicht gebraeuchlich.
Die groesste praktische Bedeutung hat die Verwechslung mit aehnlich gefaerbten Steinen. Honigcalcit wird im Handel regelmaessig mit Citrin (meist gebranntem Amethyst), Bernstein, Rauchquarz-Abkoemmlingen und sogenannten "Golden Healer"-Quarzen verwechselt; die Begriffe "Honigcalcit", "Goldcalcit" und "Citrin" werden zudem uneinheitlich gebraucht[2]. Honigcalcit zeigt im Vergleich zu Citrin meist einen waermeren, braeunlicheren Ton und einen matteren Glanz, da der weiche Kalzit nicht die hohe Politurschaerfe des Quarzes erreicht[3]. Glasimitate honigfarbener Steine kommen ebenfalls vor.
Zur sicheren Unterscheidung dient in erster Linie die Haerte: Honigcalcit (Mohs 3) ist mit einer Stahlklinge ritzbar, Citrin und anderer Quarz (Mohs 7) nicht. Hinzu kommen die starke Doppelbrechung mit deutlich sichtbarer Kantendoppelung, die rhomboedrische Spaltbarkeit und das Aufbrausen mit verduennter Salzsaeure, das Karbonate eindeutig von Quarz abgrenzt[3]. Raman- und Infrarotspektroskopie trennen die Karbonat- (CO3) von den Silikatbanden (SiO2) zweifelsfrei und weisen zugleich Oberflaechenbeschichtungen oder Harzstabilisierungen nach[1].