Überlieferung & Mythos
Rhyolith ist ein vulkanisches Ergussgestein, das chemisch dem Granit entspricht. Der Name leitet sich vom griechischen ‚rhyax' (Lavastrom) ab; eine spezifische Überlieferung liegt nicht vor.
Entstehung & Vorkommen
Rhyolith ist ein feinkoerniges bis glasiges vulkanisches Gestein und bildet das ergussmagmatische Aequivalent des Granits. Er ist kieselsaeurereich (felsisch) und besteht ueberwiegend aus Quarz, Alkalifeldspat und Plagioklas, haeufig mit eingesprengten groesseren Kristallen (Einsprenglingen) in einer dichten Grundmasse.
Rhyolith entsteht, wenn zaehfluessige, siliziumreiche Lava an oder nahe der Erdoberflaeche rasch abkuehlt. Wegen der hohen Viskositaet solcher Schmelzen sind die zugehoerigen Eruptionen oft explosiv; neben Lavastroemen treten daher Bimse, Aschen und Ignimbrite auf. Die schnelle Abkuehlung verhindert die Bildung grosser Kristalle, sodass die Grundmasse fein verwachsen oder glasig bleibt; bei rascher Erstarrung kann auch vulkanisches Glas (Obsidian) entstehen.
Farbige, gebaenderte oder gefleckte Rhyolithe werden als Schmuck- und Dekorsteine verwendet; verbreitete Vorkommen finden sich in jungen und alten Vulkangebieten weltweit, etwa in den USA, Mexiko und Mitteleuropa.
Aussehen & Eigenschaften
Rhyolith ist kein Mineral, sondern ein feinkoerniges bis glasiges vulkanisches Gestein und besitzt daher kein eigenes Kristallsystem [1]. Sein Gefuege ist typischerweise porphyrisch: Groessere, gut auskristallisierte Einsprenglinge von Quarz und Feldspat liegen in einer sehr feinkoernigen bis glasigen Grundmasse, die wegen der raschen Abkuehlung der zaehfluessigen, kieselsaeurereichen Lava nur unvollstaendig kristallisieren konnte [1]. Verbreitet sind Fliessgefuege (Baenderung) sowie kugelige, radialstrahlige Verwachsungen (Sphaerolithe); als chemisch-mineralogisches Aequivalent des Granits besteht Rhyolith ueberwiegend aus Quarz, Alkalifeldspat und Plagioklas [1].
Die physikalischen Eigenschaften ergeben sich aus diesem Mineralbestand: Die Haerte wird durch Quarz und Feldspat bestimmt und liegt bei etwa 6 bis 7 auf der Mohsskala, die Dichte betraegt rund 2,4 bis 2,6 g/cm3 [1]. Als Gestein zeigt Rhyolith keine Spaltbarkeit, sondern einen muscheligen bis splittrigen Bruch, und hinterlaesst einen weissen Strich. Der Glanz der Bruchflaechen ist meist matt, glasige Partien koennen fettig bis glasig glaenzen; das Gestein ist undurchsichtig und tritt haeufig mehrfarbig in Braun-, Gruen- und Cremetoenen auf, wobei die Faerbung von Eisenoxiden und der feinen Verwachsung der Gemengteile herruehrt [1].
Diagnostisch kennzeichnend sind die felsische (helle, kieselsaeurereiche) Zusammensetzung, das porphyrische Gefuege mit Quarz-Einsprenglingen und die geringe Dichte gegenueber basischen Vulkaniten [1]. Gebaenderte oder gefleckte Varietaeten werden als Schmuck- und Dekorsteine genutzt; bei besonders rascher Erstarrung der gleichen Schmelze entsteht statt eines kristallinen Gefuges vulkanisches Glas (Obsidian) [1].
| Formel |
Vulkanit (Quarz, Feldspat) |
| Mineralklasse |
— |
| Kristallsystem |
— (Gestein) |
| Mohshärte |
6-7 |
| Dichte |
2.4-2.6 |
| Spaltbarkeit |
- |
| Bruch |
|
| Strichfarbe |
weiß |
| Farbe/Glanz |
matt |
Manipulation & Imitation
Rhyolith ist ein vulkanisches Gestein, das im Handel meist unter Phantasienamen wie „Rainforest Jasper“ (Regenwald-Jaspis), „Leopardenfell-Jaspis“ oder „Orbicular Jasper“ gefuehrt wird; die Bezeichnung „Jaspis“ ist dabei mineralogisch ungenau und nur als Handelsname ueberliefert[2]. Der ueberwiegende Teil des Materials wird lediglich geschnitten und poliert. Das Faerben und Traenken poroeser bzw. feinkoerniger Gesteine zaehlt jedoch zu den aeltesten und am besten dokumentierten Veredelungsverfahren im Edelsteinhandel und ist gemmologisch nachweisbar[1].
Bei Rhyolith betreffen Behandlungen vor allem poroesere oder weniger feste Partien: Diese werden gelegentlich gewachst oder mit Kunstharz stabilisiert, um Politur und Haltbarkeit zu verbessern. Auffaellig kraeftige, gleichmaessige oder gar grelle (neonartige) Farben deuten dagegen auf eine kuenstliche Faerbung hin[2]. Als eigenstaendiges Imitat tritt Rhyolith kaum auf; eher dient er selbst als preiswertes, gemustertes Schmuckmaterial.
Eine Faerbung verraet sich durch Farbanreicherungen in Rissen und Poren sowie durch einen Farbabrieb bei einem Test mit Aceton; eine Wachs- oder Harztraenkung laesst sich an einem leicht fettigen Oberflaecheneindruck und an erhoehter Geruchsentwicklung beim Anwaermen erkennen[1][2]. Bei naturbelassenen Stuecken bleibt die fuer das Gestein typische, unregelmaessige Baenderung und Fleckung erhalten.