Überlieferung & Mythos
Kalzit (Calcit, Calciumcarbonat) gehoert zu den verbreitetsten Mineralen der Erde; sein Name geht auf das lateinische 'calx' (Kalk) zurueck. Klar durchsichtiger Doppelspat (Islaendischer Kalkspat) war historisch wegen seiner Doppelbrechung bekannt. Eine eigenstaendige antike Steinueberlieferung besitzt Kalzit kaum; im neueren Brauchtum gilt er als sanfter Licht- und Reinigungsstein.
Entstehung & Vorkommen
Kalzit ist Kalziumkarbonat (CaCO3) und kristallisiert trigonal; er ist eines der haeufigsten und am weitesten verbreiteten Minerale der Erdkruste. Reiner Kalzit ist farblos bis weiss, durch Spurenelemente und Einschluesse koennen jedoch nahezu alle Farbtoene auftreten. Charakteristisch sind die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit und das lebhafte Aufbrausen mit verduennter Salzsaeure.
Kalzit entsteht in sehr unterschiedlichen Bildungsmilieus. Im sedimentaeren Bereich faellt er chemisch oder biogen aus und bildet maechtige Kalksteinfolgen; durch Umkristallisation und Metamorphose dieser Gesteine geht Marmor hervor. Hydrothermal kristallisiert Kalzit in Klueften, Gaengen und Drusen, oft in Begleitung von Erzmineralen. In Hoehlen und an Quellen scheidet sich Kalzit als Sinter, Tropfstein und Travertin aus kalkgesaettigten Waessern ab.
Bedeutende klare Kristalle (Doppelspat) stammen historisch aus Island, daneben gibt es zahllose Vorkommen weltweit, etwa in den Erzdistrikten Mitteleuropas, Englands und der USA. Wegen seiner geringen Haerte (Mohs 3) dient Kalzit als Standardmineral der Haerteskala.
Aussehen & Eigenschaften
Kalzit ist das trigonal kristallisierende Calciumcarbonat (CaCO3) und eines der verbreitetsten Minerale der Erdkruste. Im Kristallgitter sind Ca2+-Ionen und planare (CO3)2--Gruppen schichtweise senkrecht zur dreizaehligen Hauptachse gestapelt; aus diesem Bau ergibt sich der ausserordentliche Formenreichtum mit ueber tausend bekannten Kristallformen, von rhomboedrisch ueber skalenoedrisch ("Hundezahnspat") bis tafelig. Reiner Kalzit ist farblos bis weiss; Faerbungen entstehen durch Spurenelemente und Einschluesse - etwa Eisen und Mangan (gelblich, braun) oder organische bzw. mineralische Pigmente.
Mit einer Mohshaerte von 3 zaehlt Kalzit zu den Standardmineralen der Haerteskala. Die Dichte betraegt rund 2,71 g/cm3, der Strich ist weiss, der Glanz glasartig bis perlmuttartig auf Spaltflaechen. Charakteristisch ist die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit nach drei Richtungen, sodass Bruchstuecke stets schiefe Rhomboeder bilden. Optisch ist Kalzit einachsig negativ und zeigt eine aussergewoehnlich hohe Doppelbrechung; an einem klaren Spaltrhomboeder ("Doppelspat") erscheint Geschriebenes deutlich doppelt - ein klassisches Schulbeispiel der Kristalloptik.
Diagnostisch sicher ist das lebhafte Aufbrausen mit verduennter Salzsaeure unter CO2-Entwicklung. Viele Kalzite fluoreszieren unter UV-Licht (je nach Aktivatoren rot, orange oder blau). Die Raman-Spektroskopie zeigt die charakteristische, sehr intensive symmetrische Streckschwingung der Carbonatgruppe bei rund 1086 cm-1 sowie schwaechere Gitterbanden, womit sich Kalzit zweifelsfrei von der orthorhombischen Modifikation Aragonit unterscheiden laesst.
| Formel |
CaCO3 |
| Mineralklasse |
5 |
| Kristallsystem |
trigonal |
| Mohshärte |
3 |
| Dichte |
2.71 |
| Spaltbarkeit |
vollkommen |
| Bruch |
|
| Strichfarbe |
weiß |
| Farbe/Glanz |
Glasglanz |
Manipulation & Imitation
Kalzit (CaCO3) zaehlt zu den weichsten und am haeufigsten vorkommenden Mineralen ueberhaupt und wird wegen seiner geringen Haerte (Mohs 3) und der vollkommenen rhomboedrischen Spaltbarkeit nur selten facettiert. Klassische Schmuck-Behandlungen spielen daher eine untergeordnete Rolle. Im Handel ueblich ist vor allem das Faerben: poroese, dichte Kalzit- und Marmorvarietaeten (haeufig als "Onyxmarmor" bezeichnet) werden mit Anilin- oder Metallsalzfarben in kraeftiges Blau, Gruen, Pink oder Schwarz getraucht, da solche Farben in natuerlichem Kalzit nicht auftreten[1]. Wegen der Weichheit und Risssanfaelligkeit wird Schmuckmaterial zudem oft mit Kunstharz oder Wachs stabilisiert bzw. oberflaechlich versiegelt, um Politur und Haltbarkeit zu verbessern[2]. Eine Hitze- oder Bestrahlungsbehandlung zur Farbgebung ist beim Kalzit nicht von Bedeutung.
Eine groessere Rolle spielt Kalzit als Bestandteil von Imitaten und Verwechslungsmaterial. Dokumentiert sind etwa Barit-Kalzit-Komposite, die als "Wulanhua"-Tuerkis in den Handel gelangten, sowie gepresste Gibbsit-Kalzit-Massen als Rhodochrosit-Imitat; auch dient Kalzit als Matrixmaterial fuer eingesetzte synthetische Rubine[3]. Farblich gefaerbter Kalzit bzw. Marmor wird zudem als Jade-, Tuerkis- oder Onyx-Ersatz angeboten. Mineralogisch wird Kalzit leicht mit Aragonit (gleiche Zusammensetzung CaCO3, jedoch orthorhombisch), Dolomit und Magnesit verwechselt. Synthetischer Kalzit wird vor allem als optisches Material gezuechtet; reiner, klarer "Islandspat" (Doppelspat) war historisch fuer Polarisationsoptik bedeutsam[4].
Die Unterscheidung gelingt mit einfachen gemmologischen Mitteln. Kalzit ist mit der Stahlnadel ritzbar (Mohs 3) und zeigt eine sehr starke Doppelbrechung: Der Brechungsindex liegt zwischen rund 1,486 und 1,658, die Doppelbrechung erreicht bis zu 0,17, weshalb bei klarem Material eine deutliche Doppelung rueckwaertiger Kanten sichtbar wird[4]. Charakteristisch sind die rhomboedrische Spaltbarkeit und das Aufbrausen mit verduennter Salzsaeure. Die Karbonatnatur (CO3-Schwingungsbanden) laesst sich eindeutig ueber Raman- oder Infrarotspektroskopie nachweisen, womit zugleich Aragonit von Kalzit getrennt wird[1]. Faerbungen verraten sich oft durch Farbanreicherung entlang von Rissen und Korngrenzen sowie durch einen Aceton- oder Ethanol-Abrieb, der den Farbstoff loest[3].