Etymologie
Der Name „Diamant“ geht auf das altgriechische Wort „ἀδάμας“ (adámas) zurück, das so viel wie „der Unbezwingbare“ oder „der Unbezwingliche“ bedeutet.[1] Es ist ein Kompositum aus der Verneinung „ἀ-“ (a-, „nicht“) und „δαμάζειν“ (damázein, „bezwingen“, „zähmen“), womit die außergewöhnliche Härte des Minerals angesprochen wird, das als härtester natürlicher Stoff gilt.[1] Der Begriff wurde bereits bei Homer (Ilias 6, 48; vermutlich 8. Jh. v. Chr.) in übertragener Bedeutung verwendet und bezog sich dort noch nicht auf ein spezifisches Mineral, sondern allgemein auf unzerstörbare oder unbeugsame Substanzen und Eigenschaften.
In der Antike wurde „adamas“ zunächst als Bezeichnung für besonders harte Materialien gebraucht, darunter auch andere Minerale wie Korund oder magnetisches Eisen. Erst bei Plinius dem Älteren (23–79 n. Chr.) in der „Naturalis historia“ (Buch 37, Kapitel 15) wird der „adamas“ als seltener, durchsichtiger Stein beschrieben, der vermutlich dem heutigen Diamanten entspricht.[2] Er nennt Indien als Fundort und hebt seine Unzerbrechlichkeit hervor.
Im Mittelalter ging die griechische Bezeichnung über das Lateinische „adamas“ in zahlreiche europäische Sprachen über, u. a. ins Altfranzösische als „diamant“ und schließlich ins Deutsche. Parallel dazu wurde der Begriff mit Eigenschaften wie Festigkeit, Keuschheit und göttlicher Reinheit assoziiert. Albertus Magnus (ca. 1200–1280) nennt den „diamandus“ in seinem Werk „De mineralibus“ und beschreibt ihn als durchsichtigen Stein, der weder gespalten noch durch Feuer zerstört werden könne.[3]
Die moderne mineralogische Bestimmung des Diamanten als kristalliner Kohlenstoff (C) mit kubischem Kristallsystem wurde im 18. Jahrhundert wissenschaftlich bewiesen, unter anderem durch Antoine Laurent de Lavoisier (1743–1794). In seiner Abhandlung „Sur la destruction du diamant par le feu“, veröffentlicht 1772 in den Mémoires de l’Académie des sciences, dokumentierte er systematische Verbrennungsversuche, bei denen Diamant unter konzentrierter Hitzeeinwirkung vollständig verbrannte. Dabei entstand ausschließlich Kohlendioxid – ein experimenteller Nachweis, dass Diamant aus reinem Kohlenstoff besteht und somit kein eigenständiges chemisches Element, sondern eine allotrope Modifikation des Kohlenstoffs ist.[4]
Überlieferung & Mythos
Der Diamant zählt zu den frühestbezeugten Edelsteinen der antiken Literatur, wobei seine Zuschreibungen zwischen magischer Unbesiegbarkeit, ritueller Reinheit und medizinischer Schutzfunktion oszillieren. Der Name geht auf das griechische adamas zurück, was „der Unbezwingbare“ bedeutet. Theophrast (ca. 371–287 v. Chr.) erwähnt in Peri lithōn einen solchen Stein, der nicht geschnitten werden könne – vermutlich der früheste literarische Hinweis auf Diamant.[1]
Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) beschreibt in Naturalis historia, Buch XXXVII, Kapitel 15, den „adamas“ als den härtesten aller Steine. Er hebt dessen Herkunft aus Indien hervor und schreibt ihm magische Kräfte zu: Der Stein solle gegen Wahnsinn, Gifte, Fieber und Albträume helfen. Der Diamant dürfe jedoch nicht mit Eisen berührt werden, da dies seine Kraft mindere.[2] Der Trageort wird nicht eindeutig genannt, doch die Vorstellung seiner schützenden Wirkung im körpernahen Schmuck (Ringe, Amulette) ist dort belegt.
Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) erwähnt den Diamant in De materia medica nicht. Diese Auslassung wurde in der arabisch-islamischen Rezeption thematisiert, etwa von Ibn Juljul (10. Jh.), der eigens eine Liste von Substanzen anlegt, die Dioskurides nicht behandelt habe, darunter ḥajar al-mās (Diamant).[3] Daraus ergibt sich, dass der Diamant im medizinischen Corpus der Antike nicht als heilkundlich wirksam angesehen oder als zu unlöslich für pharmakologische Zwecke betrachtet wurde.
Albertus Magnus (ca. 1200–1280) beschreibt in De mineralibus den Diamant als steinernen Schutz gegen Trugbilder, Geistererscheinungen und psychische Störungen. Er betont, dass der Diamant nur dann wirkt, wenn er von einem tugendhaften Träger verwendet wird – eine ethische Bedingung, die typisch für die mittelalterliche Steinlehre ist.[4]
Thomas von Cantimpré (ca. 1201–ca. 1272) überliefert in Liber de natura rerum, dass der Diamant vor „veneficia“ (Vergiftung), „phantasmata“ (Trugbildern) und bösen Geistern schützt, jedoch bei unkeuscher Lebensführung seine Kraft verliere.[5] Medizinisch wurde er im Mittelalter nicht eingenommen, sondern ausschließlich als Talisman verwendet, meist in Form von Ringsteinen oder Halsamuletten.
Ein herausragendes historisches Objekt ist der sogenannte „Reichsdiamant“ in der Krone des Heiligen Römischen Reiches (10. Jh., Wien, Schatzkammer), der als Symbol für göttliche Unvergänglichkeit und Herrschaftsrecht gedeutet wurde – eine Verwendung, die die symbolische und politische Aufladung des Steins unterstreicht.
Entstehung & Vorkommen
Diamanten entstehen unter extremen Druck- und Temperaturbedingungen im Erdmantel, meist in Tiefen zwischen 140 und 200 km bei Temperaturen über 1000 °C. Die wichtigsten Bildungsräume sind archaische Kratonwurzeln, insbesondere in Zusammenhang mit Peridotit- und Eklogit-Paragenesen in stabilen lithosphärischen Bereichen. Diese Bedingungen sind typischerweise unter Kontinenten mit Kratonbildung vor über 2,5 Ga erfüllt, z. B. in Südafrika (Kaapvaal-Kraton), Sibirien (Siberian Craton), Kanada (Slave Craton) und Brasilien (São Francisco Craton)[1].
Ein geringer Teil der Diamanten stammt aus größeren Tiefen (bis zu 660 km und tiefer), was durch Inklusionen sublithosphärischer Minerale wie Ferroperiklas, Kalzium-Perowskit oder Majorit belegt ist[2]. Diese sogenannten ultratiefen Diamanten ermöglichen Rückschlüsse auf subduzierte ozeanische Lithosphäre, die bis in den unteren Mantel transportiert wurde[3].
Primäre Lagerstätten sind Kimberlit- und Lamproit-Pipes, die als schnelle Aufstiegsbahnen dienen und durch explosive Vulkantätigkeit Diamanten an die Erdoberfläche befördern. Sekundäre Vorkommen in alluvialen Sedimenten entstehen durch Verwitterung und Umlagerung. Große wirtschaftlich genutzte Vorkommen finden sich u.a. in Russland (RU), Kanada (CA), Südafrika (ZA), Australien (AU), Botswana (BW) und Brasilien (BR)[4].
Aussehen & Eigenschaften
Diamant kristallisiert im kubischen Kristallsystem (Raumgruppe Fd3̅m) und zeigt typischerweise oktaedrische oder kuboktaedrische Morphologien. Die Mohshärte beträgt 10, die Dichte liegt bei 3,51 g/cm³. Der Bruch ist muschelig, Spaltbarkeit ist perfekt entlang {111}, die Transparenz reicht von durchsichtig bis opak, der Glanz ist adamantin, die Strichfarbe ist farblos[1].
Farblosigkeit ist kennzeichnend für Typ-IIa-Diamanten (kein messbarer Stickstoff). Gelbe bis braune Färbungen entstehen bei Stickstoff-Substitutionen (Typ-Ia oder Ib), blaue durch Bor (Typ-IIb), grüne, rosa oder violette Farben durch Gitterdefekte und plastische Verformung. Die Farbursachen sind entweder auf Fremdatome (z. B. B für Blau, N für Gelb) oder auf Bestrahlung bzw. plastische Deformationen zurückzuführen[5].
Typische Einschlüsse sind Granat, Olivin, Pyroxen, Ferroperiklas, Kalzium-Perowskit oder Sulfide. Besonders wertvoll sind farblose und hochreine Steine, während gelblich-braune („cape diamonds“) häufig sind. Mikroskopische Merkmale wie Wachstumslinien, Zonenbildung und natürliche Risse dienen zur Abgrenzung gegenüber Synthesen[6].
| Formel |
C |
| Mineralklasse |
1 |
| Kristallsystem |
kubisch |
| Mohshärte |
10 |
| Dichte |
3,52 |
| Spaltbarkeit |
vollkommen |
| Bruch |
muschelig bis splittrig |
| Strichfarbe |
weiß |
| Farbe/Glanz |
Diamantglanz |
Manipulation & Imitation
Zur Farbveränderung werden Diamanten thermisch behandelt oder bestrahlt. Besonders bei minderwertigen gelblich-braunen Steinen (Typ Ia) erfolgt eine Wertsteigerung durch Bestrahlung mit Neutronen, Gamma- oder Elektronenstrahlung, teilweise in Kombination mit Wärmebehandlung (400 °C) [7]. Diese Prozesse erzeugen punktuelle Gitterdefekte (Farbzentren), z. B. NV-Zentren, die stabile Farben (grün, blau, rosa) induzieren. Farbtiefe und Art hängen vom Energieeintrag und der Diamantstruktur ab.
Die Neutronenbestrahlung bewirkt z. B. eine vollständige Farbveränderung durch Dislokationen von Kohlenstoffatomen und nachfolgende Bildung von Interstitial-Fehlstellen. Gamma-Strahlung ist ineffizient bei Farbveränderung, erhöht aber den Glanz. Die Veränderung ist meist dauerhaft, auch wenn flach behandelte Zonen polierbar sind. Synthetische Diamanten lassen sich oft durch elektrische Leitfähigkeit (Typ-IIb vs. Typ-Ib) oder mit Hilfe spektroskopischer Verfahren (Raman, Photolumineszenz, UV-Vis) unterscheiden[6][7].
Ein besonderes Risiko früherer Methoden bestand in radioaktiver Kontamination durch Radiumsalze (z. B. Crooks-Experimente um 1900), was heute durch moderne Verfahren mit strikter Kontrolle ausgeschlossen wird[7]. Erlaubte Restaktivität liegt international unterhalb von 2 nCi/g[7].