Etymologie
Der Name „Gagat“ leitet sich vom lateinischen gagates ab, das wiederum auf das altgriechische „γαγάτης“ (gagátēs) zurückgeht – eine Ableitung von „Γάγας“ (Gágas), dem Namen eines kleinasiatischen Flusses in Lykien (heute Türkei), an dessen Ufern der Stein in der Antike gefunden wurde. Die wörtliche Bedeutung lautet also „Stein vom Gagas-Fluss“.[1] Bereits Theophrast (ca. 371–287 v. Chr.) erwähnte den „gagátēs lithos“ in seiner Schrift Peri Lithōn als einen brennbaren Stein mit aromatischem Rauch, was eindeutig auf Gagat – also fossiles Holz, eine kohlenstoffreiche Bituminose – verweist.[2]
Auch Plinius der Ältere (23–79 n. Chr.) beschreibt den „gagates“ in seiner Naturalis historia (Buch 36, Kapitel 34) als schwarzen, glänzenden Stein, der beim Reiben elektrisch geladen werde und bei Erhitzung einen eigentümlichen Geruch verströme.[3] Damit wurde bereits in der Antike eine Unterscheidung zu gewöhnlicher Kohle vorgenommen. Im Mittelalter blieb die Bezeichnung „gagates“ in lateinischer und volkssprachlicher Form erhalten; insbesondere im medizinischen Kontext wurde Gagat wegen seiner angeblich schützenden und heilkräftigen Wirkung hochgeschätzt.
Im Deutschen ist der Begriff „Gagat“ seit dem Spätmittelalter belegt und fand über mittellateinische Vermittlung Eingang in die mineralogische Fachsprache des 18. und 19. Jahrhunderts. Der englische Name „Jet“ entstand vermutlich durch Kontraktion des altfranzösischen „jaiet“ aus lateinisch „gagates“. Mineralogisch handelt es sich bei Gagat um ein dichtes, kohlenstoffreiches Material pflanzlichen Ursprungs (fossiles Holz), das durch Diagenese unter hohem Druck entstanden ist und zur Gruppe der Braunkohle-Varietäten gezählt wird.[4]
Überlieferung & Mythos
Gagat, auch unter dem englischen Namen Jet bekannt, ist ein fossiles Holz, das durch Inkohlung entstanden ist und wegen seines tiefschwarzen Glanzes bereits in der Antike Verwendung fand. Der Name „Gagat“ geht auf die antike Stadt Gagae in Kleinasien zurück, wo das Material laut Plinius dem Älteren bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. bekannt war. Dort wurde es unter der Bezeichnung gagates als Schutz- und Heilstein geschätzt, dem man die Fähigkeit zuschrieb, Schlangen und Dämonen abzuwehren. [1]
In der römischen Welt wurde Gagat zu Amuletten, Intarsien und Spinnwirteln verarbeitet. Besonders Frauen trugen Ringe oder Medaillons aus Gagat als Talisman gegen den „bösen Blick“. In der Spätantike erlebte der Stein eine Phase kultischer Symbolik: ihm wurden apotropäische und heilende Wirkungen zugesprochen, etwa gegen Hysterie, Epilepsie oder Melancholie – ein Motiv, das sich bis ins Mittelalter hielt. [2]
Während des Hochmittelalters war Gagat in Europa vor allem in kirchlichem Kontext verbreitet. Rosenkränze und Reliquienkästchen wurden aus dem tiefschwarzen, matt schimmernden Material gefertigt – nicht zuletzt wegen seiner Assoziation mit Buße und geistiger Reinigung. Besonders die Benediktinerabtei von Whitby an der englischen Nordseeküste wurde im Spätmittelalter zum Zentrum der Gagatbearbeitung, da in den dortigen Klippen reichhaltige Lagerstätten erschlossen wurden. [3]
Im 19. Jahrhundert erlebte Gagat unter Königin Victoria einen massiven Aufschwung, insbesondere im Zuge der Trauermode nach dem Tod ihres Gemahls Prinz Albert im Jahr 1861. In der Folge wurde Gagat zum Inbegriff des viktorianischen Trauerschmucks: Broschen, Ohrgehänge, Armbänder und Haarspangen wurden aus schwarzem Jet gefertigt und mit goldenen Monogrammen, Email oder Haararbeiten kombiniert. Diese Schmuckstücke trugen stark symbolischen Charakter und galten als Ausdruck von Anstand, Beständigkeit und Trauerkultur. [4]
In der Esoterik des 20. Jahrhunderts wurde Gagat zunehmend mit schützenden, erdenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Ihm wird nachgesagt, negative Energien zu absorbieren, emotionale Stabilität zu fördern und bei Trauer zu begleiten – Deutungen, die stark von seiner historischen Verwendung beeinflusst sind, aber auf moderner Symbolzuschreibung beruhen. [5]
Heute wird Gagat nur noch in wenigen Regionen abgebaut, vor allem in Whitby (England), im spanischen Asturien, sowie in geringerem Umfang in Polen und Russland. Originale viktorianische Stücke gelten als begehrte Sammlerobjekte. In Museen wie dem British Museum oder dem Museum Whitby ist Gagat ein zentrales Ausstellungsobjekt für die Verbindung von Geologie, Geschichte und Gesellschaft. [4]